Definition

Spondylose – auch Spondylosis deformans genannt – ist eine degenerative, sich langsam entwickelnde Erkrankung der Wirbelsäule.

Spondylose zeichnet sich dadurch aus, dass es im Wirbelsäulenbereich des Hundes zu Versteifungen und Verknöcherungen kommt. Der gallertartige Kern der Bandscheiben schrumpft, weil er Wasser verliert. Dies führt zu einer gewissen Instabilität des gesamten Skelettsystems insbesondere im Brust- und Lendenwirbelbereich. Die daraus folgenden Versteifungen und Verknöcherungen, die in ganze Umbauten der Wirbelsäule ausarten können, sind prinzipiell Reparaturmaßnahmen des Organismus. Dieser versucht, die Stabilität des Skelettes zu halten. Steife, knöcherne Neubildungen – man spricht von Spondylophyten – bilden teilweise ganz neue Verbindungsstücke zwischen Wirbelkörpern aus. Diese zwingen das Skelett unter Umständen in Verkrümmungen und unnatürliche Haltungen. Durch die Neubildungen werden auch Gelenke aufgerieben, so dass Gelenkverschleiß in Form der Arthrose häufig in Kombination mit der Spondylose auftritt. Es treten bis zur kompletten Versteifung der Wirbelkörper auch Bandscheibenvorfälle und Lähmungserscheinungen durch Beeinträchtigungen von Nervensträngen auf.

Spondylose Schweregrade

Befunde der Spondylose werden in 5 Grade eingeteilt (0. – IV. Grad).
Man kann sagen, dass im Laufe des Lebens Knochen permanent umgebaut werden, was sich auf die Entwicklung der Spondylose nachteilig auswirkt. So können sich Knochenzacken der Wirbel (Papageienschnäbel, I. + II. Grad) zu isolierten Brücken (III. Grad), diese zu geschlossenen Knochenplatten (Bambuswirbelsäule, IV. Grad) verbinden. Zwischen den Wirbeln treten viele Nervenfasern heraus. Die grossen Schmerzen werden durch eine extreme Reizung solcher Nervenfasern hervorgerufen. Während eine Spondylose im Übergang von Brustwirbeln zu Lendenwirbeln den Hund stark behindert, ist dessen Beeinträchtigung bei Spondylose zwischen Lendenwirbeln und Kreuzbein nicht so stark.

Ursachen einer Spondylose

Einige große und schwere Rassen, besonders Molosser und der Deutsche Boxer, neigen genetisch aufgrund einer Schwäche des Stützbindegewebes zur Ausbildung von Spondylose. In diesem Fall erkranken oftmals schon junge Tiere schwer und zeigen merkbare Symptome.

Weiterhin ist die Spondylose eine typische Verschleißkrankheit, die häufig ältere Tiere nach einem bewegten und physisch fordernden Hundeleben aufweisen. Die Erkrankung ist auch die häufigste Erkrankung von Dienst- und Einsatzhunden. Sie trifft in diesem Fall selbst jüngere Tiere, die bis zur Überforderung körperlich gefordert worden sind. Betroffen ist oft der hyperaktive Hundetyp, der keine Minute still sitzt und einen besonders ausgeprägten Bewegungsdrang sowie Spieltrieb aufweist.

Symptome

Spondylose ist eine schubhafte Erkrankung, die nach längerer, scheinbarer Symptomfreiheit oft schwere, kaum erwartete Beschwerden verursacht. Sehr häufig treten zunächst wenig wahrnehmbare Symptome auf. Die Diagnose wird so bei einer Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule oft zufällig gestellt.
Die Ausprägung klinischer Symptome variiert in Abhängigkeit vom Alter bzw. Stadium der Krankheit.

Folgende Symptome sind möglich:

– Versteifungen und Schmerzen im Rücken
– Schwierigkeiten beim Hinsetzen, Hinlegen und Aufstehen, beim Treppensteigen – bzw. runterlaufen, beim Springen und Toben usw.
– erkrankte Hunde bleiben am liebsten liegen, finden aber nicht leicht die richtige Position
– teilweise wölbt der Hund den Rücken, um so die Wirbelsäule zu entlasten
– Lahmheiten aufgrund der Schmerzausstrahlung vom Rücken
– Veränderung des Ganges
– schlaffe Hinterhand, Zittern in den Hinterbeinen
– Instabilität im Stehen, Umfallen des Tieres
– falsche Stellung einer oder beider Hinterpfoten
– Schleifen die Krallen auf dem Boden
– Heben der Hinterpfote im Stehen und/oder beim Laufen Schwächerwerden der Gesäßmuskeln
– Schwierigkeiten beim „grossen Geschäft“-machen, da die Wirbelsäule nicht mehr ohne Schmerzen krumm gebogen werden kann
– Inkontinenz, Harnträufeln
– Agressionen und/oder Depressionen, Angst, allg. Verhaltensänderungen
– plötzliches Aufschreinen beim Spielen und bei manchen Bewegungen

 
 

Wenn bei Ihrem Boxer die genannten Symptome auftreten, sollten Sie unbedingt den Tierarzt aufsuchen und eine eingehende Diagnostik durchführen lassen.

Spondylose ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung, die beim Tier bis zur Bewegungsunfähigkeit und Komplettlähmung führen kann. Eine tierärztliche Behandlung ist dringend notwendig. Wer zu spät behandelt, riskiert möglicherweise das frühzeitige Einschläfern des Hundes. Daneben leidet der Hund unter Umständen unbehandelt an starken bis unerträglichen Schmerzen.
Rechtzeitig diagnostiziert und behandelt sowie umsichtig gehalten, sind auch an Spondylose erkrankte Tiere lebendige und lebensfrohe Hunde mit einer normalen Lebenserwartung.

Untersuchungsmöglichkeiten

Neben der allgemeinen, orthopädischen und neurologischen Untersuchung sichert eine Röntgenaufnahme die Verdachtsdiagnose. Diese Untersuchung erfolgt, anders als beim HD –Röntgen, ohne Narkose.

In Ausnahmefällen und nur bei Verdacht auf eine zusätzliche Veränderung der Wirbelsäule (wie z.B. eine Bandscheibenvorwölbung) kann eine Kontrastmitteluntersuchung, Computertomographie und Magnetic Resonance Imaging bzw. Kernspintomographie zusätzliche Klarheit bringen. Diese Untersuchungen müssen dann aber leider unter Narkose stattfinden.

Therapie 

Spondylose ist eine unheilbare, aber verzögerbare Krankheit. Im Zentrum steht nach exakter Diagnose und Symptom-Eintritt vor allem eine ausreichende Schmerzbehandlung. Auch Tiere merken sich Schmerz und leiden unter chronischen Schmerzen erheblich. Nicht selten finden sich Veränderungen auch in der psychischen Befindlichkeit, die durch das Trauma von Dauerschmerz ausgelöst werden. Auch begleitende Entzündungsvorgänge müssen mit behandelt werden.

Angewendet werden:

Schmerzmittel
Es ist heute anerkannter Behandlungsstandard, sogenannte NSAR-Schmerzmittel nur zusammen mit magenschützenden Präparaten abzugeben. NSAR bezeichnet die Gruppe der kortisonfreien Schmerzsubstanzen wie Ibuprofen und Diclofenac, die Magenblutungen und Magenschädigungen provozieren können

Kortison Injektionen bei Entzündungen
Entzündliche Prozesse sprechen sehr gut auf Kortison an. Optimal arm an Nebenwirkungen sind Injektionen direkt in betroffene Körperstellen und Gelenke.

Homöopathische Mittel
Zeel und Traumeel sind z.B. geeignete Komplexmittel. Zu beachten ist, dass bei der Schwere mancher Symptome die Homöopathie hier ergänzend zu verstehen ist und die schulmedizinische Behandlung nicht vernachlässigt werden sollte. Eine fachgerechte homöopathische Konstitutionsbehandlung tut den erkrankten Tieren oft ebenfalls sichtlich gut.

Auch durch Akupunktur und Massagen kann man dem Boxer Erleichterung verschaffen.

Grünlippmuschel-Extrakt zufüttern, bzw. die Ernährung umstellen auf Präparate, die diese Nahrungsergänzungsmittel bereits erhalten, ist ein Thema, das Sie mit Ihrem Tierarzt unbedingt ansprechen sollten.

Zusätzlich sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Boxer warm liegt und sein Rücken keiner kalten Zugluft ausgesetzt ist. Rotlichtbestrahlungen empfindet der Hund auch als sehr angenehm.

Die Wassergymnastik steht bei Spondylose an vorderster Stelle bei den Therapien. Sie hält das Tier beweglich bei extrem schonender Bewegungsabfolge. Viele Ärzte und Tierheilpraktiker bieten dieses Training für Hunde an.

Vorsichtsmassnahmen

Wenn Ihr Boxer an Spondylose erkrankt ist, müssen Sie die absolute Kontrolle über seinen Bewegungsablauf übernehmen.
Das kann schon helfen, akute Schübe der Erkrankung zu vermeiden. Der Boxer neigt dazu, leichte Beschwerden zu ignorieren. Er spielt weiter, als wäre mit seinem Rücken alles in Ordnung. Und erst wenn es ganz schlimm wird, verändert er sein Verhalten. Oft ist es dann zu spät.
Vermeiden Sie alle Situationen, bei denen der Rücken des Hundes stark beansprucht wird.
Der Boxer muß nach jedem Regengassi sowie nach dem Baden / Duschen gründlich abgetrocknet werden!!!

Die Ernährung muß so angepasst werden, dass es NIE einen zu harten Kot gibt.
Überfütterung ist zu vermeiden.
Das Gewicht des Hundes muß ständig unter Kontrolle sein.

Beim Spielen mit anderen Hunden ist große Vorsicht geboten! Gerade Boxer sind ja berühmt für Ihre wilden Spiele und das „Anboxen“ des Spielpatners mit den Vorderpfoten. Das sollten Sie unterbinden.

Bewegung braucht aber auch ein an Spondylose erkrankter Boxer. In der Zeit, wo er starke Schmerzen hat, muß man Bewegungen sehr einschränken und den Hund medikamentös behandeln (Nur vom Tierarzt!).
Wenn der akute Schub aber vorbei ist, ist gegen gewöhnliches Spaziergehen nichts zu sagen. Die natürlichste und einfachste Art, sich fortzubewegen, ist für den Hund der langsame Trab.
Der Rücken wird dabei auch am wenigsten beansprucht, da die Kräfte und das Gewicht des Hundes gleichmäßig verteilt werden. Je nach Größe und Alter des Boxers sind das zwischen 6 und 12 km/h. Ermöglichen Sie Ihrem Hund, so zu laufen. (Natürlich ohne Zwang!)

Prävention

Leider kann ich bei der Spondylose keinen so grossen Erfolg vermelden wie bei der HD, denn die so fortschrittliche Zuchtwertschätzung des BK-München bezieht sich leider nur auf HD und Hodenfehler.

Um eine Zuchttauglichkeit bescheinigt zu bekommen müssen Zuchttiere (Rüden und Hündinnen) mit 18 Monaten auf Spondylose untersucht werden. Dies ist auch das Mindestalter für die Zucht. Die Röntgenbilder werden wie bei der HD vom Gutachter des BK-München ausgewertet und die Werte in Statistiken einbezogen.
NUR: Wenn einem Boxer in diesem Alter Spodylose Grad 0 nachgewiesen wird, bürgt dies noch lange nicht dafür, dass deren Nachkommen spondylose-frei alt werden.

Ab dem 3. bis 5. Lebensjahr halbiert sich die Prozentzahl der Spondylosefreien Boxer.